Zirkus Charles Knie kommt mit Wildtieren nach Bielefeld

Mein Fazit vorab:

„Der Zirkus Charles Knie hat sich per Gerichtsentscheid über den demokratischen Beschluss des Stadtrates hinweggesetzt, nachdem in Bielefeld keine Zirkusbetriebe mit Wildtiere auftreten dürfen.

Die achtzehn Jahre alten Empfehlungen hinsichtlich der Haltung von Tieren in Zirkussen müssen überarbeitet werden.  Die erforderliche Käfiggröße von  12qm für 1-2 Tiger oder Löwen sind viel zu wenig, 50 qm Außenfläche für bis zu 5 Tiere ist nicht artgerecht.

Es findet zudem keine ausdrückliche sicherheitstechnische  Überprüfung der Gehege statt. Angesichts der Vielzahl von mitunter tödlichen Unfällen mit ausgebrochenen Tieren ist das ein nicht hinnehmbarer Zustand und eine in Kauf genommene Gefährdung der Tiere und der Bevölkerung.

Wildtiere sollten nicht zur Bespaßung von Menschen durch die Gegend gekarrt werden. Unfälle und Angriffe durch Wildtiere auf die Dompteure in der Manege können zur Traumatisierung von Kindern führen.“

Der Zirkus Charles Knie hat ein kurzes Gastspiel auf seiner aktuellen Tournee in Bielefeld. Dabei bringt er auch eine ganze Reihe von Wildtieren mit.

Nach Aussage auf der Zirkus-Homepage werden „rund 100 Tiere 30 verschiedener Arten“ mitgeführt. Dazu gibt es die Raubtiershow mit Löwen und Tigern.

Der Rat der Stadt Bielefeld hat eigentlich ein Auftrittsverbot von Zirkussen mit Wildtieren beschlossen. (https://stadtratereigugat.wordpress.com/2016/11/18/pudel-im-stadtrat-wildtiere-im-zirkus/). Der Zirkus Charles Knie hat dagegen geklagt und Recht bekommen, da  ein kommunales Verbot gegen die bundesgesetzliche Regelung zur „freien Berufsausübung“  verstößt. Politisch können wir auf städtischer Ebene leider nicht mehr viel machen, die Bundespolitik ist nun am Zug.

In der Sitzung des zuständigen Sozial- und Gesundheitsausschusses am Dienstag, den 19.06.2018, stelle ich eine Anfrage zum Auftritt des Zirkus (Antworten darunter verlinkt):

46_Anfrage_BN_PI_Ausschuss-1-page-001

Hier die Antworten: https://anwendungen.bielefeld.de/bi/getfile.asp?id=625173&type=do&

Für mich besonders bemerkenswert: „Nach sicherheitstechnischen Kriterien allein erfolgt keine Prüfung. Aus der Zuständigkeit für den Tierschutz ergibt sich jedoch eine Bewertung der Einzäunung (u. a. der Ausbruchssicherheit, Gefährdung der Tiere durch Schäden am Zaun), da es tierschutzrelevante Risiken für ausgebrochene Tiere gibt.

Warum stelle ich diese Anfrage?

Zu den Tierschutzfragen:

Der Amtsveterinär kann nur prüfen, was die Gesetzeslage vorgibt. Diese Grundlage soll einmal dargelegt werden. Die Wertung der Regeln und Haltungsbedingungen ist dann eine andere. Für mich persönlich sind diese viel zu lasch.

Trotz der (wie ich finde zu laschen) Gesetze wurde der Zirkus Charles Knie vom Amtsgericht Darmstadt zu einer Geldstrafe von 150,–€ (!)  verurteilt, da dieser Elefanten über 12 Stunden auf engen, nur 2,4 m breiten und 2,8 m langen Transportern hatte stehen lassen. Den sozialen Tieren mit ausgeprägtem Bewegungsdrang fügt eine solche Haltung „erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden“ zu, so die Darmstädter Amtstierärztin, Karin Jung. (Quelle: Darmstädter Echo http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/zirkus-elefantentrainer-muss-bussgeld-zahlen_15730714.htm#)

An der aktuellen Tournee wird zusätzlich kritisiert, dass die jeweiligen Standzeiten an den Auftrittsorten viel zu gering sind und die Tiere so permanentem Umzugsstress ausgesetzt sind. Vor dem Bielefelder Gastspiel, welches fünf Tage dauern soll, gastiert der Zirkus in Holzminden, wo er nur zwei Tage verbleibt. (Quelle: Focus.de https://www.focus.de/regional/schleswig-holstein/zirkus-charles-knie-in-neumuenster-peta-kritisiert-stresstournee-fuer-tiere-und-fordert-wildtiere-nicht-mehr-zuzulassen_id_8787504.html)

Zu den Fragen zur Sicherheit:

Regelmäßig brechen Wildtiere aus den Zirkussen aus, es kommt in diesem Zusammenhang immer wieder zu schlimmen Unfällen und auch zu Todesfällen, im Internet kursieren verschiedene Listen. Ein tragisch-spektakulärer Fall aus dem Jahr 2015 war der Tod eines Spaziergängers durch den ausgebrochenen Elefanten „Baby“: (Quelle: Spiegel.de http://www.spiegel.de/panorama/toedlicher-angriff-in-buchen-zirkuselefant-soll-hinter-gitter-a-1038741.html)

Auch dem Zirkus Charles Knie sind bereits Tiere entflohen, so zum Beispiel im März und Juni 2012 Riesenkängurus in Lüneburg (Quelle: Bild.de https://www.bild.de/regional/hannover/zirkuskaenguru-auf-stadttour-in-lueneburg-24522364.bild.html) und Zeven (Quelle: Thüringische Landeszeitung https://www.tlz.de/kinder/detail/-/specific/Polizisten-ringen-Kaenguru-Norbert-nieder-640122481)

Dem aktuellen Dompteur des Zirkus Charles Knie, Alexander Lacey mit seiner „gemischten Raubtiershow“, ist im Rahmen seiner Anstellung in den USA im Mai 2017 ein Tiger entflohen, der in einer Wohnsiedlung einen Hund angriff und erschossen werden musste. Erst vor zwei Monaten wurde der Dompteur während eines Auftritts des Zirkus Charles Knie in Stendal von einer Löwin erheblich verletzt. So ein Vorfall kann zur Traumatisierung von zuschauenden Kindern führen und ist keineswegs ein harmloser „Nervenkitzel“. (Quelle: Focus.de https://www.focus.de/regional/sachsen-anhalt/tierschutz-in-stendal-dompteur-lacey-nach-loewenangriff-verletzt-peta-kritisiert-sicherheitsvorgaben_id_8720835.html)

Am gestrigen Montag, dem 18.06.2018, ist aus einem Zirkus im von Bielefeld nur 55 Kilometer entfernten Emmerthal bei Hameln eine dreieinhalb Meter lange und 30 kg schwere Tiger-Python-Schlange entflohen, die dann von Anglern am Flußufer entdeckt wurde. (Quelle: Deister- und Weserzeitung https://www.dewezet.de/region/weserbergland/aerzen-emmerthal_artikel,-riesenschlange-ist-aus-zirkus-entwichen-_arid,2469388.html)

Information: Am Samstag, den 23.06.2018 findet von 17.30 Uhr bis 19.30 Uhr eine Mahnwache vor dem Zirkuszelt statt. (Quelle: nw.de http://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/22168772_Dromedare-Kamele-Lamas-Zirkus-Charles-Knie-kommt-in-die-Stadt-Tierschuetzer-schlagen-Alarm.html)

Manege

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4 Gedanken zu “Zirkus Charles Knie kommt mit Wildtieren nach Bielefeld

  1. Hallo Michael, ich kann dir in allen Punkten zustimmen.
    Nur eine Frage, warum wurde gegen dies aus meiner Sicht Fehlurteil, keine Revision eingelegt?
    Viele Grüße Bastian Lutterjohann

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    • Hallo Bastian! Kurz gesagt: Nach Einschätzung des Rechtsamtes wäre das komplett aussichtslos. Es war schon viel, das wir in den ursprünglichen Prozess gegangen sind, da auch dieser im Prinzip aussichtslos war, es gab bereits entsprechende Entscheidungen.

      Die Entscheidungen müssen bundesgesetzlich getroffen bzw. geändert werden. Andere Möglichkeiten gibt es nicht mehr.

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