Der Antrag der Paprika-Koalition: https://stadtratereigugat.files.wordpress.com/2017/12/antrag_neu_zusammengefc3bcgt_top4-2-_citylogistikdocx.pdf

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste hier im Saal.

Ich habe ein paar Fragen, die klären sollen, worum es hier eigentlich geht.

Wie wollen wir in Zukunft in Bielefeld leben?

Wie werden wir in Zukunft in Bielefeld leben?

Wenn man eine beliebige innerstädtische Route (sagen wir Brackwede nach Heepen oder Senne nach Jöllenbeck) in ein beliebiges Navigationsgerät oder Google Maps eingibt, unter welchen Umständen wird man von der Computertechnik überhaupt über den Jahnplatz geleitet?

Brackwede_Heepen

Hat das mal jemand ausprobiert?

Ist die Technik dümmer als der „gemeine Autofahrer“, der unbedingt mitten durch die Stadt fahren will?

Warum muss Verkehr über den Jahnplatz fließen?

Sind alle anderen Routen nicht sinnvoller?

Wenn jedes der rund 150.000 in Bielefeld zugelassenen PKW (und die LKW sind in meiner Rechnung noch gar nicht dabei) rund 9m² Platz benötigt, finden wir das in Ordnung, dass wir die somit benötigten 135 Hektar unserer wertvollen Fläche, um deren Nutzung wir ja nun immer ringen und streiten, nur für diese zum Parken verwenden?

Sind die 18 Hektar – also 10% der Gesamtfläche der Innenstadt – für die rund 20.000 Parkplätze in der Innenstadt gut genutzt oder könnte man da auch anderes, vielleicht sogar steuereinnahmenrelevantes, machen?

Was kostet ein Quadratmeter Innenstadt?

Könnte man da nicht Wohnungen bauen oder Geschäfte eröffnen?

Könnten wir die Zahl der Spielplätze in der Stadt nicht zum Beispiel deutlich erhöhen, um unseren Kindern Raum zur Entfaltung zu geben?

Wollen wir die etwa 3000m², die am Jahnplatz derzeit ausschließlich für den Verkehr benutzt werden, weiterhin dafür verwenden oder würden Cafés, Handel und freie Räume für Fußgänger nicht für alle Beteiligten besser sein?

Ist das Loom vielleicht auch deshalb ein Erfolg, weil da drin keine Autos fahren?

Ist es okay, wenn PKW und Lieferfahrzeuge „mal eben kurz“ auf dem Radweg parken, um ein Paket auszuliefern oder 3 Brötchen beim Bäcker zu holen?

Wäre es auch okay, wenn Fahrräder „mal eben kurz“ auf der Strasse stehen?

Bäcker

Foto: Thomas Geffe cc-by-sa

Akzeptieren wir 3300 Verkehrstote in Deutschland pro Jahr?

Würden wir es akzeptieren, wenn jedes Jahr 17 Airbus A320 in Deutschland abstürzen würden, wobei ebenfalls 3300 Menschen sterben würden?

Würden wir es akzeptieren, wenn jedes Jahr 5 vollbesetzte ICE-Züge verunglücken würden?

Würden wir dann den Flug- und den Bahnverkehr nicht verbieten in Deutschland?

Wie gehen wir zusätzlich mit den bis zu 11.000 Toten durch verkehrsbedingte Luftverschmutzung in diesem Kontext um?

Wieso akzeptieren wir den Straßenverkehr mit seinen Auswirkungen, so wie er ist, als natur- oder gottgegeben, je nach persönlicher Ausrichtung des Glaubensgerüstes?

Wieso stehen Autos 95% des Tages ungenutzt herum?

Sind das dann noch Fahrzeuge oder Stehzeuge?

Muss man als mindestens halbwegs gesunder Mensch Strecken bis, sagen wir, drei Kilometer mit dem Auto fahren?

Wäre es angesichts des gesamtgesellschaftlichen Problems mit Adipositas (Übergewicht) und Bewegungsmangels nicht sinnvoller, wir würden das Fördern des Rad- und Fußverkehrs als ein vordringliches gesundheitspolitisches Ziel betrachten?

Müssen Fußgänger die schwächsten Verkehrsteilnehmer sein?

Da man pro Quadratmeter Fläche mehr Geldbörsen in Fußgängern unterbringen kann, als in parkenden Autos, wäre es da für den Handel nicht sinnvoller, es gäbe mehr Platz für Fußgänger?

Platz

Wieso gibt es Fußgängerzonen?

Wieso gibt es nicht mehr Fußgängerzonen?

Wieso ist ein Parkplatz im Parkhaus billiger, als eine Bahn-Fahrkarte von Detmold nach Bielefeld?

Wieso verbieten wir das Rauchen in Gaststätten und erlauben es, Fahrern von Autos mit Verbrennungsmotoren auf Höhe eines Kinderwagens die Abgase in die Luft zu pusten?

Was mache ich mit der gewonnenen Zeit von 360 Sekunden, die ich bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern statt 30 auf einer Strecke von 5 Kilometern spare?

Wieso werden in Kopenhagen bei Schneefall zuerst die Radwege und dann erst die Straßen geräumt?

Wieso sperrt Paris vier Spuren eines achtspurigen Kreisverkehrs für den Autoverkehr und macht öffentliche Plätze daraus?

Und warum stelle ich hier so viele Fragen?

Was haben die mit dem Antrag zu tun?

Es geht hier um das Große und Ganze, um eine Vison.

Meine Damen und Herren, unsere Vision ist eine stetige Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. Unsere Vision ist eine komplett autofreie Innenstadt Bielefelds.

Unser Antrag ist nur ein kleiner Schritt dahin, aber er ist der richtige. Das, was wir fordern, gibt es schon. Das, was wir fordern, wird ohnehin irgendwann passieren, die Wirtschaft ist bereits weiter, als einige in der Politik. Ebnen wir doch bereits jetzt die Wege dafür, rollen wir den roten Teppich aus.

Die Menschen sollen mobil sein, der Handel – ob stationär oder online, ist egal – soll florieren. Die Wirtschaft soll brummen. Es geht um das „Wie?“.

Unsere Vision ist es, den öffentlichen Raum für die Menschen zurückzuerobern.

Danke schön.

 

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2 Gedanken zu “Rede zum Paprika-Antrag „Emissionsfreie City-Logistik“ – 14.12.2017

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